Liebe Danielle,

weißt du es ist komisch.
Das ist wohl der Mensch, so wie er ist nehme ich an, so wie er tickt. Und es gibt wohl nur ein paar wenige Ausnahmen, die das so können, so durchziehen und dadurch so erfolgreich sind. ODER aber, es funktioniert nur bei Dingen, die einem zu 100% Spaß machen. Und dort ist man dann automatisch erfolgreich. Das wäre meine andere Erklärung.
Aber nun will ich auflösen worum es geht. Und zwar geht es bei mir immer bergauf und bergab mit meiner Motivation. Mit meiner Motivation zu üben, mit der Klarinette besser zu werden und alles daran zu setzen, ein Probespiel zu gewinnen.
Ja und mit dem Tag, an dem du weggereist bist, nahm ich mir vor, total fleißig zu sein, alle Spielereien zu lassen, mich voll auf das Arbeiten zu konzentrieren und gut zu üben; einfach total zielgerichtet und fokussiert zu sein. Zumindest bis zum 17., bis zu meinem Probespiel in Göttingen, einmal so richtig zu fleißig sein, am Abend punktlich is Bett zu gehen, gut und genug zu schlafen, in der Früh aufzustehen und zu üben, Stellen anzuhören und nach dem Dienst im Orchester noch Bassklarinette üben zu gehen.
Ich war dann wirklich sehr motiviert, sehr glücklich und voller Tatendrang, und startete in vorgenommenem Sinne los.
Nur – so hatte ich es irgendwo im Hinterkopf schon geahnt – hielt es nicht lange, da wollte mein innerer Schweinehund nicht mehr (oder wie auch immer du es nennen möchtest). Er wollte nicht mehr fleißig sein, sondern wollte jede Minute irgendetwas Entspannendes machen, Youtube-Videos anschauen, bis spät aufbleiben, faul auf der Couch herumliegen und auf dem Heimweg Süßigkeiten einkaufen (das musst du jetzt übertragen verstehen – du weißt, ich kann Süßigkeiten sehr leicht entbehren). Und in solchen Momenten bin ich dann auch immer sehr versucht, über alles Mögliche nachzudenken. Vor allem darüber, was ich eigentlich noch alles machen könnte, außer der Klarinette. Ich denke dann einerseits ganz prinzipiell nach, aber auch im Konkreten, was ich statt dem Klarinette-Üben alles andere machen könnte und sollte: die Mails erledigen, den Brieffreunden schreiben, Fotos sortieren, Reisen buchen, meine Webmaster-Arbeit erledigen, ein Buch lesen, Musik mixen, für eine coole neue Uhr shoppen gehen, eine Radtour machen, wiedermal fotografieren, und überhaupt… ich könnte die Liste endlos weiterführen.
Nur eigentlich wäre es ja so einfach: Nichts zu denken, außer mich mit der Klarinette auf mein Probespiel zu konzentrieren. Einfach so, wie ich es mir bis zum 17. vorgenommen habe. Einfach durchzuhalten. Es ist ja nicht viel mehr als eine Woche! Ist es zu viel verlangt, dass ich so lange durchhalte, fokussiert bleibe und nicht über dies und das und jenes…?
Ist es der Mensch? Bin es ich? Geht es jedem so? Braucht man jemanden von außen, der einen peitscht? Ich möchte zielgerichtet und fokussiert sein, voll und ganz alles dafür opfern, damit ich erfolgreich bin, so in der Art wie, “Die Karriere ist das Wichtigste.”, zumindest nur für eine Woche! Geht das nicht?

Oder braucht es etwas anderes für mich, als die Klarinette und das Probespielleben, das mir automatisch noch viel mehr Spaß macht, und wo ich dann automatisch viel mehr drauf und dran bin?

Kannst du es nachvollziehen? Oder hattest du gar schon ähnliche Gedanken? Wie geht es dir?

Dein Erik.

Tanzen ist super!

Tanzen ist super!
Es bringt dich unter Leute, hinaus aus deiner Wohnung, deinem Loch. Du bist dann nicht mehr allein. Es macht Spaß, es bringt Freude: Man Lacht, man improvisiert, man probiert, man unterhält sich, man lernt Leute kennen, man sieht bekannte Gesichter. Und man kann denen begeistert zuschauen, die es richtig gut können – allein das schon beglückt. Und dennoch gibt es niemanden, der es perfekt kann. Tanzen ist immer Experiment, jeder macht es anders. Improvisation. Du bist ganz frei und kannst tun was du willst, bist freiem Lauf, darfst kreativ werden. Und noch dazu hörst du heitere Musik. Musik, die dir bekannt ist und Musik die dir neu ist: eine Entdeckungsreise.
Und das Beste überhaupt am Tanzen: Du bewegst dich. Du machst Sport. Es hat also nicht nur gute Auswirkungen auf deinen Geist, auf deine Seele, sondern auch auf deinen Körper! Das ist dann gleich dreifach gut, denn wie es so schön heißt, „Ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper.“. Und es stimmt.
Wir sind Menschen. Wir brauchen unseren Körper und müssen ihn ernähren: nicht nur mit Essen, sondern auch mit Bewegung. Und auch mit einigen anderen Dingen noch. Menschlich sein.

Menschlich sein – glücklich sein. Der Mensch braucht nicht nur das wahre Glück (oder: wirkliche Freude, so wie du es nennst), sondern auch das kleine Glück. Und das kann er sich durchaus selbst beschaffen, meine ich. Zum Beispiel, indem er tanzen geht. Es ist aber wohl für jeden Menschen etwas anderes, das ihn glücklich macht. Und wenn ich mich jetzt auf die Parkbank setze und den Vögeln lausche, kann es auch das sein, was mich glücklich macht. Oder wenn ich meinen Mitbewohnern (und mir) etwas koche. Es gibt viele Dinge, die es sein können, auch Dinge, die für andere ganz komisch wirken mögen. Und natürlich gibt es dann noch ein anderes Glück, ein höheres, ein tieferes, in wahreres. Und mag es nur kurz Gott, der es dir geben kann, dich mit dem Glück beschenken kann, so musst du es sein, der sich öffnet und beschenken lässt. Wenn du für ihn nicht offen bist, wird er zu dir keinen Zugang finden.

In Summe kannst du nur das anderen weitergeben, was du selber auch besitzt. Wenn du müde bist, kannst du niemandem Kraft schenken, wenn du traurig bist, niemandem Heiterkeit, wenn du selbst erstickst, niemandem Freiheit, wenn du dich selbst nicht magst, kannst du niemanden lieben.

Ich glaube das meint der Spruch.