Im Zug

Ich sitze schon eine Station im ICE, als er einsteigt und fragt, ob neben mir noch frei sei. Ich bejahe. Er ist jung und sieht gut aus. Vermutlich mein Alter. Das heißt nun aufmerksam sein und fleißig wirken. Noten raus, Kopfhörer in die Ohren und meine Stellen für morgen und übermorgen pauken.
Er öffnet seinen Laptop und liest irgendetwas fürs Studium, vermute ich. „Demographischer Wandel“ steht über einem Abschnitt. Dann wird er angerufen. Also iPod leise stellen und zuhören.
„Naaaaa?“ –
Er lacht ein bisschen. „Also einfach nur müde oder Kater?“
Nein danke, schießt es mir durch den Kopf. So jemanden brauche ich nicht. Sein Wortschatz ist auch nicht sehr elegant. Ich lächle zufrieden vor mich hin, weiß meine Freunde und deren Manieren mal wieder mehr zu schätzen und wende mich den sinfonischen Metamorphosen zu. Die Pause war lang genug.

Unbekanntes Land

Ich weiß noch nicht mal, ob ich morgen oder übermorgen dort ankommen werde… Übermorgen wäre besser. Viiiiieeel besser.
Neue Noten, neue Leute. Ich weiß noch nicht mal genau, wooo ich hinfahre.. So ungeplant war ich noch nie..
Und ich habe wirklich keine Ahnung, was da auf mich zukommt.
Habe ich die Energie, mich auf neue Leute einzulassen? Will ich das wirklich? Jetzt? Ich würde lieber zu Hause bleiben und mir die Decke über den Kopf ziehen. Wieso denken immer alle, dass ich gaaar keine Probleme damit habe, mich neuen Leuten zu öffnen und auf diese zuzugehen? Ja, es stimmt schon oft. Aber es kostet manchmal eine ungeheure Überwindung. Ja, auch mich! Vor allem komme ich dort mindestens einen Tag später an, als alle anderen, die bis dahin schon supergute Bekannte sind.. Und ich muss mir dann alles erkämpfen. Ich. Die Neue. Die es sich leistet zu spät zu kommen. Pffff.
Außerdem bin ich eine Aushilfe. Vielleicht kennen sich alle anderen schon.

Und dann bin ich noch nicht mal perfekt vorbereitet, was meine Unsicherheit bestimmt nicht verringern wird.

Ach ja. Ich bin eben auch nur ein Mensch. Und wenn die kommende Woche bedeutet, dass ich viel Zeit für mich und zum Üben habe, hätte ich eigentlich auch nichts dagegen 🙂