Und dann sah ich sie.

Die schneebedeckte Landschaft schob sich entlang der Fenster, die ersten Sonnenstrahlen glitzerten über den Feldern. Der Zug war halb voll und es roch leicht nach Kaffee, oder zumindest bildete ich es mir ein. Ein paar Leute plauderten in angenehmer Lautstärke. Ich verstand die Sprache nicht. Und dann sah ich sie. Dort am anderen Ende des Waggons saß sie. Einen roten Mantel hatte sie, eine bunte Haube. Hübsch sah sie aus. Die nächste Station war Nischnewartowsk. Wann genau wir dort ankamen, das wusste ich nicht. Der Zug hatte keine Anzeige, auch sagte niemand etwas durch. Man fuhr einfach, völlig zeitlos und entkoppelt. Man konnte nur schätzen, wann es soweit war. Durch die Fenster spürte man buchstäblich die Wärme der schwachen Sonnenstrahlen.

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Ein Traum

Manchmal ist träumen wirklich schön. Schön, weil einem einfach ein Bild im Kopf bleibt, eine Emotion, eine Stimmung, die man nicht schwinden lassen will. Meistens sind es Träume, die sehr intensiv sind, Phasen, in denen man nicht sehr tief schläft; so wie heute in der Früh: ein Bild, das einfach zu schön ist, um es gehen zu lassen. Aber ich habe gelernt und weiß, sobald ich zu einem gewissen Grad wach bin, träume ich nicht mehr. Mir ist dann bewusst, dass es nur ein Traum war, und nicht die Wirklichkeit. Vielleicht ist es ein Wunsch von mir, irgendwo ganz tief drinnen in meinem Kopf, eine Vorstellung, eine Sehnsucht? Und so habe ich heute in der Früh einfach nur nachgefühlt, meine Erinnerungen so gut es ging ausgekostet. Ziemlich das gleiche Gefühl hatte ich schon einmal, fällt mir jetzt ein, damals träumte ich von Magdalena, einer alten Schulkollegen, die ich immer schon sehr mochte. In meinem Traum saßen wir auf der Wiese bei mir zu Hause und es war einfach nur schön. Ich kann mich jetzt auch an keine Details mehr erinnern, aber es war einfach schön.

Heute war ich in einem Kaufhaus. Oder war es ein Hotel? Es war ein Hotel. Einige andere Personen waren da, die ich kannte, auch meine Eltern. Nach dem Aufwachen hab ich mir schnell ein paar Notizen in mein Tagebuch gemacht, damit ich nicht vergesse. Möchtest du es hören? Es ist nicht viel… aber ich scheue mich, dir davon zu schreiben. Obwohl, es ist ja nur ein Traum.