Ich möcht so gern

Ich möcht so gern

Ich möcht sooo gern einfach in die Natur, wandern und sich spontan in die Wiese legen; aufs frische grüne Gras, die Luft einatmen und der Natur lauschen. Durch den Wald stapfen und die Bäume beklettern. Dort, wo keine Menschen sind, eins sein mit der Schöpfung, sie bewundern. Ich hab das Verlangen, in die Luft zu schauen, den ganzen Tag im Freien zu bleiben und nichts zu tun, vielleicht sogar auch die ganze Nacht.

Dort, wo keine Menschen sind.

Kommst du mit?

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Ich wollt

Ich wollt mir das Bett machen, aber habs noch nicht.
Ich wollt das Zimmer saugen, aber habs noch nicht.
Ich wollt meine Möbel neu positionieren und den Tisch zerlegen, aber habs noch nicht.
Ich wollt die Abschwasch erledigen, aber habs noch nicht.
Ich wollt deinen Computer schon fertig haben, aber habs noch nicht.
Ich wollt die neu gemachten Fotos aussortieren, aber habs noch nicht.
Ich wollt spontan wo hinreisen, aber bins nicht.
Ich wollt meine Eltern anrufen, aber habs noch nicht.
Ich wollt den Einkauf erledigen, aber habs noch nicht.
Ich wollt mich in den Park setzen und mein Buch lesen, aber habs nicht.
Ich wollt dich mit einem neuen Computer spontan besuchen.

Ich wünscht, ich hätt mehr Energie.

Sich ordnen

Das Zimmer saugen, Staub wischen. Das Bett frisch überziehen, den Koffer ausräumen, Wäsche waschen. Einkaufen: den Kühlschrank füllen. Die Boxen aufstellen. Während des Lesens der vielen Post Musik hören. Ein ausgereiftes Aktienmodell anwenden: das Depot umschichten (ich hab ja im Grunde kein Kapital). Das Fenster weit geöffnet: Gute, frische, kühle, erquickende Luft atmen; in der Ferne den Herbst riechen. Duschen. Schlafen im eigenen Bett. Keine Termine: Üben von Grund auf. Atemübungen, Tonübungen, Staccato-, Vibrato- und Fingerübungen. Sich ordnen, sich erden.

Ich bin glücklich.
Ich bin glücklich, schreibe ich in mein Tagebuch, während ich durch die Stille Nacht nach Hause wandere. Meine Gedanken schweifen noch nach, mein Gesicht lächelt. Ich höre das Lachen noch in meinen Ohren, die Unbekümmertheit. Es war so schön! Ein bisschen genieße die laue Sommerluft noch, dann werde ich tot ins Bett fallen. Aber glücklich.

Der Morgen

Heute wachte ich wunderbar mit dem hellen Sonnenlicht in der Früh auf. Obwohl es nur sechs Stunden Schlaf waren, war ich, als ich um sieben Uhr aufwachte, angenehm munter. Das fühlte sich richtig gut an. Jetzt müsste man sich nur noch vornehmen, jeden Tag mit der Sonne aufzustehen. Dann wäre der Tag optimal genutzt – das Licht, die Energie, der natürliche Rhythmus. Es ist so schön draußen! Und ich liebe den Morgen.
🙂

9,81 Meter pro Sekunde

Welche Stadt ist das da unten? Das Lichtermeer ist doch ein bisschen größer als die anderen Flecken alle. Vorhin waren noch ein paar schneebedeckte Berge da, über die sind wir nun schon hinweg. Können wir schon auf der Höhe von Ludan sein? Worguss ist es wohl nicht, so weit östlich können wir nicht fliegen. Außerdem wäre Worguss auf der rechten Seite unseres kleinen Fliegers. Ich sitze links. Am Fenster. Neben mir sitzt ein Herr mit schwarzen Haaren, Schnurrbart und Brille. Ein kariertes Hemd trägt er und eine schwarze Weste. Eine hübsche Uhr ist auch am Arm. Ich trage keine, meine ist kaput. Ich habe schon überlegt, mir eine stinknormale Armbanduhr zu kaufen, eine hübsche, keine binäre. Es muss vielleicht nicht immer binär sein. Wieder breitet sich ein Lichtermeer unter uns aus, diesmal noch größer, so scheint es. Oder ist es einfach nur so zerklüftet? Es scheint eher nach einer Ansammlung von Dörfern auszusehen, aber gibt es so etwas? Die dünne Wolkendecke lässt mich die unzähligen orangenen Lichterstraßen nicht besonders lang ergründen – zu schade. Ich schaue gerne. Ich beobachte gerne. Unser Abflughafen war echt niedlich, herzig. Wirklich süß – alles so klein, eine Miniaturform. Auch das Flugzeug ist sehr lieb. Der Propeller links neben mir wird mir allerdings langsam zu laut. Wenn ich mich leicht nach vorne lehne und aus dem Fenster sehe, dröhnt er ziemlich. Ich könnte mich zurück lehnen, dann ändert sich der Geräuschpegel. Es wird dadurch nicht leiser, lediglich die Art des Lärms ändert sich. Aber ist es Lärm? Ich könnte auch meine Kopfhörer aus dem Rucksack nehmen und sie mir aufsetzen, die dämmen ein bisschen.

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Ach, so ist es schon viel angenehmer! Ich liebe meine Kopfhörer. Ich liebe sie wirklich. Vor 6 Jahren habe ich sie mir gekauft, in New York. Sie sitzen so angenehm!
Was ist nur, wenn der Propeller neben mir ausfällt? Das frage ich mich. Klar, er wird wohl getestet sein, stundenlang darauf geprüft, dass er nie stoppt und immer funktionstüchtig bleibt, dass er zu einer ganz hohen Wahrscheinlichkeit nie den Geist aufgibt. Aber wenn diese Wahrscheinlichkeit ganz hoch ist, so denke ich mir, dann gibt es ja auch eine, wenn auch verschwindend geringe Möglichkeit, dass er mal nicht mehr will. Eine ganz klitzekleine Chance muss ja wohl doch da sein, oder? Und wenn sich einer der beiden Propeller nicht mehr dreht, dann stürzen wir wohl hoffnungslos ab. Gibt es einen Alternativplan? Nein, nur den freien Fall. Mit 9,81 Metern pro Sekunde zum Quadrat Beschleunigung der Schwerkraft würden wir dann abstürzen. Das ist eines der wenigen Dinge aus dem Physikunterricht in der Schule, die ich mir gemerkt habe und wohl auch nie vergessen werde: Wie hoch die Erdbeschleunigung ist. Aber dabei müsste man nun noch bedenken, dass die Luft ein bisschen Geschwindigkeit bremst. Ich könnte jetzt berechnen, mit wieviel Stundenkilometern wir unten am Boden aufprallen würden. Wenn ich nur unsere Höhe wüsste. Wir fliegen durch Wolken. Die Musik ertönt. Ich lehne mich zurück.