46 Tage

46 Tage

Es ist alles anders. Momentan kann ich gar nicht richtig denken. Wie das von einem Moment auf den anderen so anders sein kann! Es fühlt sich wahnsinnig gut an. Das Leben kommt wieder, so als hätte ich Jahre lang geschlafen oder unter der Erde gelebt, erwache ich mit neuer Freude, mit Lebensfreude. Alles macht plötzlich so viel mehr Sinn. Nur bin ich in der Realität noch nicht ganz da, wo ich ihn meinen Gedanken bin. Da hoff ich inständig, dass sich das möglichst bald annähert. Ich bin sehr glücklich, muss ich sagen. Das Leben packe ich jetzt am Schopf, habe ich beschlossen. Nichts kann mich halten. Wer hätte es gedacht, dass ein Entschluss so viel ausmachen kann, so viel auslösen kann, dein ganzes Leben umkrempelt. Noch bin ich nervös und gespannt. Bald hoffentlich erlöst und auf Wolke sieben. Obwohl, das bin ich jetzt fast schon. Warum vergehen die Tage nicht schneller, ich kann nicht einschlafen! Gestern noch war das Aufwachen eine Qual und ich wollte im Bett bleiben, alles war sinnlos. Jetzt kann alles nicht schnell genug gehen und es macht einfach so viel Sinn!

Dabei weiß sie noch von nichts.

Mein Entschluss aber, der steht fest. Lang hat sie nun gewartet, 46 Tage.

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Geduuuuld

„Geduld, mein Kind, Geduld!“ Die sanfte, beruhigende Stimme aus einem Kinderfilm kann ich immer noch genau hören. Ruhig, liebevoll, empathisch.
Es ist so so so schwer, geduldig zu sein. Mit Schülern, mit Freunden, mit Mitmenschen.
Vor allem aber mit Geschwistern.
Eine Hippie, eine „Ernste“, eine Pubertierende und ein Erfinder.
Ach ja. Ich auch noch. Die Älteste (es ist schwer sich selbst in einem Wort zu beschreiben..was mir vermutlich genauso untreffend gelingen würde wie mit den anderen vieren (und die „Ernste“ würde mich momentan einfach nur „Schauspielerin“ nennen. HAHA!)).
Puuuh.
So lustig es manchmal ist, so angeregt können die Unterhaltungen sein und so verschieden die Ansichten.
Ich frage mich ernsthaft, ob wir nicht eigentlich viel mehr gemeinsam haben müssten. So, dass man von außen betrachtet auch sofort erkennt, dass wir 50% des selben Genmaterials besitzen. A. C. G. T. Hmm.

Liebe und Geduld. Was ist schwerer? Bedingungslose Liebe oder unendliche Geduld? Und dann noch die Kombination aus beidem. Es scheint schier unmöglich zu sein, auch nur einen einzigen Menschen bedingungslos und geduldig zu lieben.

Nun ja.. die „Ernste“: sie legt alles auf die Goldwaage, denkt über jedes noch so kleine Wörtchen nach und zerbricht sich regelmäßig den Kopf.

Die Hippie: sie hüpft von einer Party zur nächsten und bekommt ihr Studium trotzdem auf die Reihe. Na ja, talentiert sind sie alle vier.

Die Pubertierende: so langsam wird sie vernünftig und ich kann mich mit ihr mitlerweile länger als 10 Minuten unterhalten, ohne dass es nur ums Wetter geht.

Der Erfinder: noch sammelt er Steine, Fossilien und Hagelzucker (letzteren hat er unter seinem Bett versteckt und zu seinem Pech hat Mama gestern seine Räuberhöhle entdeckt) und baut große Gebäude mit Kapla-Klötzchen.

Und ich? Ich versuche, endlich erwachsen zu werden und meine Eltern nicht unnötig zu beunruhigen, was mir zumindest manchmal erfolgreich gelingt.