Freude

Wenn einem, so ganz unverhofft, plötzlich die Freude überkommt!
Wahrscheinlich ein recht zufälliger Zusammenfall mehrerer freudiger Kleinigkeiten.
Eine neue Waschmaschine. Die Wohnung geputzt. Gut gearbeitet, auf die erste Probe ausreichend vorbereitet. Ordnung. Freunde in der WG. Eigentlich weiß ich nicht, was es ist, aber ich kann vor Freude hüpfen. Ein Lächeln im Gesicht. Jetzt noch ein Stündchen tröten.
Smileys.
😀
🙂

Advertisements

Trauer

Wie geht man mit Trauer um? Wie trauert man überhaupt richtig? Gibt es so ein „richtig“???
In vielen Kulturen scheint es eine bestimmte Art und Weise zu geben, wie man trauert. Hierzulande ist der Tod oft ein Tabuthema. Zumindest erscheint es mir so. Geburt ja. Super. Genial. Tod. Was hast du da gesagt? Wir sterben???

Wieso ist das so ein Tabuthema? Natürlich sterben wir. Memento mori. Es könnte jeden Tag passieren. Und jeden Tag, den wir erleben dürfen sind wir näher dran. Am Tod. Aber ist das negativ? Für die Verbliebenen ja. Normalerweise. Für einen selbst? Je nachdem, was man glaubt, ist der Tod nur der Eintritt in ein viel besseres, schöneres Leben. Ich glaube, dass ich nach dem Tod in den Himmel komme und das ist ein echt schöner Gedanke! Und deshalb genieße ich mein Leben hier trotzdem und will auch nicht so bald gehen müssen. Aber ich weiß, wo ich hingehe.

Menschen glauben so viel… und dass Jesus für sie am Kreuz gestorben ist, ist für sie undenkbar. Die schwarze Katze, die von rechts nach links läuft (oder umgekehrt) bringt aber Unglück und DAS glauben sie. HÄÄÄH???

Als meine Lehrerin, Frau Klein, vor Kurzem starb wurde mir sehr deutlich bewusst, wie viele aus meiner Klasse eine esoterische Denkweise haben… Bei der Trauerfeier meinte eine Schülerin, dass Frau Klein hinten auf dem Stuhl gesessen und uns zugesehen habe. Ich kann damit nicht umgehen. Ich finde das einfach schrecklich. Und total makaber war gestern, dass eine Mitschülerin bei Frau Kleins Grab war, es fotografierte und dazu schrieb: „Liebe Grüße von Frau Klein“. Okayokay, ich will und darf niemanden verurteilen. Nur fühle ich mich bei sowas einfach total unwohl. Und außerdem ist es doch viel tröstender, wenn man glaubt, dass sie jetzt bei Gott und von ihrer Krankheit erlöst ist. Oder? Ich habe kurz überlegt, ob ich ihr antworte mit „Liebe Grüße zurück“.

Einigen in der Klasse geht es offenbar nicht gut.. mal sehen, wie es wird, wenn ich sie nächste Woche wieder treffe. Irgendwie ist diese Situation eine riesen Chance, meinen Kameraden von Gott zu erzählen, weil sie offener sind und andererseits muss ich auf mich selbst aufpassen und Abstand nehmen. Ich weiß genau, dass mir zuviel davon nicht gut tut. Deshalb bin ich auch am Tag nach ihrem Tod zu meinen Freunden geflüchtet und habe mit ihnen Lindy Hop getanzt. Mancheiner mag das seltsam finden, aber ich brauchte die Distanz und ich weiß, dass Frau Klein das völlig unterstützt hätte.

Sie fehlt mir und ich denke oft an sie. Wie es wohl ihrer Familie geht? Ihre Tochter habe ich neulich in der Stadt gesehen und ich war so perplex (obwohl ich damit hätte rechnen können), dass ich zu lange gebraucht habe, um mich nach ihr umzudrehen und dann war sie schon weg. Ich hätte mir echt selbst eine klatschen können. Ich habe einfach so furchbar langsam reagiert. Wahrscheinlich auch mit Bedenken, wie „will sie mich sehen?“. So ein Quatsch…
Jetzt muss ich flügge werden. Wir haben einen neuen Lehrer, aber das ist was anderes. Er hat andere Stärken, als sie. Das hat auch Vorteile. Nur in der Hinsicht, wo sie einen Graben hinterlässt, werde ich jetzt selbst weiterarbeiten müssen. Und durch diese Umstände des „Müssens“ wird es vermutlich auch funktionieren. Schließlich ist sie jetzt nicht mehr da, um mir weiterzuhelfen.
Ihre Tipps waren einfach super. Wenn man am Anfang der Stunde irgendwie nicht auf der Höhe war hat sie das in 5 Minuten wieder hergestellt und man war von seinen eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten überrascht.

Manchmal denke ich, dass ich vergessen könnte, was sie mir beigebracht hat. Fast 10 Jahre kenne ich sie schon und hatte insgesamt siebeneinhalb Jahre Unterricht bei ihr. Sie hat mich wirklich geprägt und ich hoffe, dass ich viele ihrer Ratschläge, Übungen usw. einfach verinnerlicht habe. Sie war so kreativ, dass sie dauernd neue Ideen hatte, das war auch ein Grund, warum ich so lange bei ihr in der Klasse war.

Ich bin froh, dass ich sie nochmal sehen konnte und ihre Lebensfreude, ihren Optimismus und ihre Hingabe werde ich nie vergessen. Sie war – trotz ihrer Krankheit – so stark! Sie war immer zum Unterrichten da, egal wie schlecht es ihr ging. Niemand hätte sich getraut, Unterricht abzusagen, weil sie das ja auch nie tat.
Jetzt mache ich mich auf den Weg flügge zu werden und die ersten Flugversuche zu starten!

„Jeder geht seinen Weg. Egal wie und wann“ (Frau Klein)