Genug für heute

Ok, jetzt reichts grad. Ich bin jetzt echt absolut unentspannt. Super. Musste das jetzt sein? So ganz kurz vorm Schlafengehen? Vorm Müdewerden? Es ist eh schon meistens schwer genug für mich einzuschlafen. Für dich ist das ja kein Problem. Egal, was für unangenehme Themen man noch anspricht.

Ansprechen. Das ist genau das Problem. Ansprechen macht mich absolut kirre. Aussprechen. Das hätte ich jetzt gebraucht. Auch wenns per Telefon immer blöd ist.

Musste dieses Thema jetzt unbedingt noch auf den Tisch?

Boah, das ist mir einfach zu viel!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Und wohin soll ich nun mit meiner ganzen Ladung Frust, Energie und Aggression? Bei Gott abladen. Na toll. So eine Überwindung!

Advertisements

Gib dich zufrieden und sei stille

Gib dich zufrieden und sei stille
In dem Gotte deines Lebens;
In ihm ruht aller Freuden Fülle,
Ohn ihn mühst du dich vergebens.
Er ist dein Quell und deine Sonne,
Scheint täglich hell zu deiner Wonne.
Gib dich zufrieden.

Er ist voll Lichtes, Trosts und Gnaden,
Ungefärbtes, treuen Herzens;
Wo Er steht, tut dir keinen Schaden
Auch die Pein des größten Schmerzens.
Kreuz, Angst und Not kann Er bald wenden:
Ja, auch den Tod hat Er in Händen.
Gib dich zufrieden.

Paul Gerhardt, 1607-1676

 

 

Trauer

Wie geht man mit Trauer um? Wie trauert man überhaupt richtig? Gibt es so ein „richtig“???
In vielen Kulturen scheint es eine bestimmte Art und Weise zu geben, wie man trauert. Hierzulande ist der Tod oft ein Tabuthema. Zumindest erscheint es mir so. Geburt ja. Super. Genial. Tod. Was hast du da gesagt? Wir sterben???

Wieso ist das so ein Tabuthema? Natürlich sterben wir. Memento mori. Es könnte jeden Tag passieren. Und jeden Tag, den wir erleben dürfen sind wir näher dran. Am Tod. Aber ist das negativ? Für die Verbliebenen ja. Normalerweise. Für einen selbst? Je nachdem, was man glaubt, ist der Tod nur der Eintritt in ein viel besseres, schöneres Leben. Ich glaube, dass ich nach dem Tod in den Himmel komme und das ist ein echt schöner Gedanke! Und deshalb genieße ich mein Leben hier trotzdem und will auch nicht so bald gehen müssen. Aber ich weiß, wo ich hingehe.

Menschen glauben so viel… und dass Jesus für sie am Kreuz gestorben ist, ist für sie undenkbar. Die schwarze Katze, die von rechts nach links läuft (oder umgekehrt) bringt aber Unglück und DAS glauben sie. HÄÄÄH???

Als meine Lehrerin, Frau Klein, vor Kurzem starb wurde mir sehr deutlich bewusst, wie viele aus meiner Klasse eine esoterische Denkweise haben… Bei der Trauerfeier meinte eine Schülerin, dass Frau Klein hinten auf dem Stuhl gesessen und uns zugesehen habe. Ich kann damit nicht umgehen. Ich finde das einfach schrecklich. Und total makaber war gestern, dass eine Mitschülerin bei Frau Kleins Grab war, es fotografierte und dazu schrieb: „Liebe Grüße von Frau Klein“. Okayokay, ich will und darf niemanden verurteilen. Nur fühle ich mich bei sowas einfach total unwohl. Und außerdem ist es doch viel tröstender, wenn man glaubt, dass sie jetzt bei Gott und von ihrer Krankheit erlöst ist. Oder? Ich habe kurz überlegt, ob ich ihr antworte mit „Liebe Grüße zurück“.

Einigen in der Klasse geht es offenbar nicht gut.. mal sehen, wie es wird, wenn ich sie nächste Woche wieder treffe. Irgendwie ist diese Situation eine riesen Chance, meinen Kameraden von Gott zu erzählen, weil sie offener sind und andererseits muss ich auf mich selbst aufpassen und Abstand nehmen. Ich weiß genau, dass mir zuviel davon nicht gut tut. Deshalb bin ich auch am Tag nach ihrem Tod zu meinen Freunden geflüchtet und habe mit ihnen Lindy Hop getanzt. Mancheiner mag das seltsam finden, aber ich brauchte die Distanz und ich weiß, dass Frau Klein das völlig unterstützt hätte.

Sie fehlt mir und ich denke oft an sie. Wie es wohl ihrer Familie geht? Ihre Tochter habe ich neulich in der Stadt gesehen und ich war so perplex (obwohl ich damit hätte rechnen können), dass ich zu lange gebraucht habe, um mich nach ihr umzudrehen und dann war sie schon weg. Ich hätte mir echt selbst eine klatschen können. Ich habe einfach so furchbar langsam reagiert. Wahrscheinlich auch mit Bedenken, wie „will sie mich sehen?“. So ein Quatsch…
Jetzt muss ich flügge werden. Wir haben einen neuen Lehrer, aber das ist was anderes. Er hat andere Stärken, als sie. Das hat auch Vorteile. Nur in der Hinsicht, wo sie einen Graben hinterlässt, werde ich jetzt selbst weiterarbeiten müssen. Und durch diese Umstände des „Müssens“ wird es vermutlich auch funktionieren. Schließlich ist sie jetzt nicht mehr da, um mir weiterzuhelfen.
Ihre Tipps waren einfach super. Wenn man am Anfang der Stunde irgendwie nicht auf der Höhe war hat sie das in 5 Minuten wieder hergestellt und man war von seinen eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten überrascht.

Manchmal denke ich, dass ich vergessen könnte, was sie mir beigebracht hat. Fast 10 Jahre kenne ich sie schon und hatte insgesamt siebeneinhalb Jahre Unterricht bei ihr. Sie hat mich wirklich geprägt und ich hoffe, dass ich viele ihrer Ratschläge, Übungen usw. einfach verinnerlicht habe. Sie war so kreativ, dass sie dauernd neue Ideen hatte, das war auch ein Grund, warum ich so lange bei ihr in der Klasse war.

Ich bin froh, dass ich sie nochmal sehen konnte und ihre Lebensfreude, ihren Optimismus und ihre Hingabe werde ich nie vergessen. Sie war – trotz ihrer Krankheit – so stark! Sie war immer zum Unterrichten da, egal wie schlecht es ihr ging. Niemand hätte sich getraut, Unterricht abzusagen, weil sie das ja auch nie tat.
Jetzt mache ich mich auf den Weg flügge zu werden und die ersten Flugversuche zu starten!

„Jeder geht seinen Weg. Egal wie und wann“ (Frau Klein)

 

 

Neeeeeeeiiiiiiin!

Ich rannte die Treppe hinauf und riss meinen Kleiderschrank auf. Irgendwo musste er sein. Mein Brief. Der Entwurf an ihn. Iiiiihn. Wieso hatte ich ihn nie abgeschickt?? Und wo hatte ich ihn versteckt?
Jetzt war es zu spät. Dinge, die ich ihm nie gesagt hatte waren jetzt nicht mehr nötig. Weil er zu verletzt war. Zu verletzt, um mir ins Gesicht zu sehen.
Dabei war es nicht meine Schuld. Aber das würde er nie begreifen. Und mein Brief wäre womöglich nur ein hilfloser Versuch gewesen. Aber immerhin. Ein Versuch. Es schrie förmlich in mir während ich seinen letzten Brief mit tränenüberfluteten Augen nur mühsam lesen konnte. Dabei kannte ich jedes Wort auswendig. Mit dem Brief in den Händen rannte ich die Treppe wieder hinunter. Raus aus der Wohnung, raus ins Freye. Ich musste einfach rennen. Luft rauslassen. Emotionen verarbeiten. Ich kan nicht mehr, dachte ich. Ich rannte bis zu meiner Lieblingsschaukel.
Hier schaukelte ich oft, wenn ich kurz Luft holen wollte.
Hier sprach ich mit Gott. Nicht nur hier. Aber hier hat Gott mich aufgefangen, als ich mich so allein gefühlt habe. Allein auf der Welt. So allein wie noch nie zuvor.
Langsam beruhigte sich mein Puls während ich mich schaukelnd zurück lehnte und meine offenen Haare auf dem Boden schleifen ließ. Meine Tränenflut ließ nach. Der sanfte Wind trocknete das Salz auf meinen Wangen.
Die Bäume sehen von unten so wunderschön aus. Wie oft habe ich das schon gedacht.
Die Welt hätte was, wenn man auf Händen gehen würde.
Der Brief fiel mir aus der Hand und ich sprang von der Schaukel, um ihn aufzuheben. Behutsam faltete ich ihn auseinander und riss ihn in Zeitlupentempo in tausend Stücke. Dann nahm ich die Papierfetzen und steckte sie in meine rechte Hosentasche, lief an das Ufer des nahegelegenen Flusses und ließ die Schnipsel mit dem Wind über das Wasser fliegen. Die dunklen Wolken am Horizont machten der Sonne immer mehr Platz und schließlich ließ ich mich ein bisschen getröstet auf der Erde nieder. Ein paar Enten schwammen an mir vorbei. Wieso machte ich mir eigentlich so viele Gedanken? Wirf deine Sorgen auf den Herrn, kam mir in den Sinn, und wieder füllten sich meine Augen mit Tränen. Manchmal war ich mir selbst zu emotional.
Kopf hoch, Danielle.
Abschied nehmen war nie meine Stärke gewesen. Nie. NIE. NIE.
Die vorbeifahrende sBahn riss mich aus meinen Gedanken. Kauf dir ein Ticket, schien sie zu sagen.
Ein Ticket.
Zu ihm.