Eine Woche

Wie kurz eine Woche ist, bis zum Ostermontag, wie lang diese Zeit aber auch ist. Welche Gedanken sich da alle auftun, welche Gefühle sich da ändern, welche Analysen sich da darbieten und dann wieder verschwinden. Ein auf und ein ab. Wo pendelt es sich ein? Der Kopf schwirrt. Surreal.

Schon wieder!

Ja, schon wieder. Schon wieder auf sich allein gestellt, schon wieder 100% für sich selbst verantwortlich, schon wieder keine Schulter zum Anlehnen. Schon wieder keine starken Arme, die einen halten, wenn man fällt. Schon wieder kein offenes Ohr für die Hürden des Alltags. Schon wieder kein aufmunterndes Lächeln. Schon wieder keinen Anspruch erheben können auf gemeinsame Zeiten, ein Treffen, ein Telefonat, einen Spaziergang.

Sich schon wieder davon überzeugen müssen, dass allein sein doch mehr Vorteile als Nachteile bietet, mehr Freiheiten, mehr eigene Wünsche erfüllen.

So ein Quatsch, denke ich mir. Freiheit zu zweit, das ist viel schöner. Gemeinsam für Dinge kämpfen auch. Für zwei kochen, nicht alleine am Tisch sitzen. Nach Hause kommen und zu wissen, dass man erwartet wird.

Endlich ankommen. Im Leben. Endlich wissen, wo es lang geht. Endlich Gewissheit.
Ankommen. Nicht mehr finden. Nicht mehr reisen. Einfach nur da sein und genießen.

Ja, besser allein, als zu zweit einsam. Freundschaften pflegen, tanzen gehen, beten und Bibel lesen. An der Karriere feilen, endlich daran glauben, dass es tatsächlich Karrieremöglichkeiten gibt, nicht verzagen.

Wird alles! Wieso beschwerst du dich eigentlich? Dir geht es doch sehr gut zur Zeit. Und sowieso besser, als erwartet!?!
– Ja warum wohl??- Äh??
-Weil jetzt endlich mal etwas beschlossen wurde. Etwas ist nun ganz sicher. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Das ist jetzt fest. Bombensicher. Kein (ver)Suchen mehr. Kein Hoffen mehr, dass iiirgendetwas iiirgendwann iiirgendwie sein könnte.
Einfach genau wissen, woran man ist. Ist doch ganz einfach, ODER??!!! Ist nur doof, dass ich das nicht selbst von vornherein so beschlossen habe, verstehst du?! Mir wärs lieber, ich wüsste genau, was ich will. Und was ich nicht will. Weiß ich aber nicht. Nach wie vor nicht. Und deshalb gehts mir ja irgendwie gut. Weil ich mir jetzt eigentlich keine Gedanken mehr machen muss, was ich will. Denn jetzt gibts die Möglichkeit nicht mehr. Ich habe nicht mehr zu wollen. So einfach ist das. Das hat auch seine Vorteile, glaub mir.
Ich dachte schon mal sehr lange Zeit, dass ich nicht genau wüsste, was ich will. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, da wusste ich es plötzlich. Aber da hat auch jemand für mich entschieden, dass ich es nicht mehr so haben sollte. Da hat all die Gewissheit nichts geholfen. Und diesmal wusste ich es ja nicht mal genau. Insofern ist es nun viel einfacher. Zumindest muss ich mir den Kopf nicht darüber zerbrechen.
Ich habe nur immer noch Angst, etwas zu verlieren. Etwas sehr kostbares. Ein Zusammenhalt, eine wahre Freundschaft, eine Ehrlichkeit und eine große Offenheit, ein füreinander da sein, ein zusammen lachen und weinen, ein sich-nerven und ein sich-verstehen. Dieses Etwas ist es wert, bestehen zu bleiben, doch dafür müsste man kämpfen – und das geht nicht allein. Darin müssten wir uns sehr einig sein, damit es erhalten bleibt.
So lange wie möglich.

 

Zwei Gedankenfetzen

Wenn sie mir sagt, es geht ihr sofort besser, sobald sie von mir hört, dass ich sie vielleicht doch brauche, sie vermisse. Ich sehe ein Herz, klein und zerbrechlich; behutsam muss man damit umgehen. So schön ist es mit ihr – sie ist so lieb! In echt? Oder in meiner Vorstellung? Traurig ist es. Nicht schon wieder!

Wenn sie sagt, die ganze Zeit sei dann ja verschwendet. Ja in einer Weise schon, ja, man würde von Vorne wieder anfangen – andererseits: Wie ging nochmal das Zitat?

Zeit die wir zu verschwenden genießen, ist nicht verschwendet.
– John Lennon

Und man könnte ja nicht mal von „verschwenden“ reden. Dennoch, ich weiß was sie meint.

Aaahhhhhh!

Trauer

Wie geht man mit Trauer um? Wie trauert man überhaupt richtig? Gibt es so ein „richtig“???
In vielen Kulturen scheint es eine bestimmte Art und Weise zu geben, wie man trauert. Hierzulande ist der Tod oft ein Tabuthema. Zumindest erscheint es mir so. Geburt ja. Super. Genial. Tod. Was hast du da gesagt? Wir sterben???

Wieso ist das so ein Tabuthema? Natürlich sterben wir. Memento mori. Es könnte jeden Tag passieren. Und jeden Tag, den wir erleben dürfen sind wir näher dran. Am Tod. Aber ist das negativ? Für die Verbliebenen ja. Normalerweise. Für einen selbst? Je nachdem, was man glaubt, ist der Tod nur der Eintritt in ein viel besseres, schöneres Leben. Ich glaube, dass ich nach dem Tod in den Himmel komme und das ist ein echt schöner Gedanke! Und deshalb genieße ich mein Leben hier trotzdem und will auch nicht so bald gehen müssen. Aber ich weiß, wo ich hingehe.

Menschen glauben so viel… und dass Jesus für sie am Kreuz gestorben ist, ist für sie undenkbar. Die schwarze Katze, die von rechts nach links läuft (oder umgekehrt) bringt aber Unglück und DAS glauben sie. HÄÄÄH???

Als meine Lehrerin, Frau Klein, vor Kurzem starb wurde mir sehr deutlich bewusst, wie viele aus meiner Klasse eine esoterische Denkweise haben… Bei der Trauerfeier meinte eine Schülerin, dass Frau Klein hinten auf dem Stuhl gesessen und uns zugesehen habe. Ich kann damit nicht umgehen. Ich finde das einfach schrecklich. Und total makaber war gestern, dass eine Mitschülerin bei Frau Kleins Grab war, es fotografierte und dazu schrieb: „Liebe Grüße von Frau Klein“. Okayokay, ich will und darf niemanden verurteilen. Nur fühle ich mich bei sowas einfach total unwohl. Und außerdem ist es doch viel tröstender, wenn man glaubt, dass sie jetzt bei Gott und von ihrer Krankheit erlöst ist. Oder? Ich habe kurz überlegt, ob ich ihr antworte mit „Liebe Grüße zurück“.

Einigen in der Klasse geht es offenbar nicht gut.. mal sehen, wie es wird, wenn ich sie nächste Woche wieder treffe. Irgendwie ist diese Situation eine riesen Chance, meinen Kameraden von Gott zu erzählen, weil sie offener sind und andererseits muss ich auf mich selbst aufpassen und Abstand nehmen. Ich weiß genau, dass mir zuviel davon nicht gut tut. Deshalb bin ich auch am Tag nach ihrem Tod zu meinen Freunden geflüchtet und habe mit ihnen Lindy Hop getanzt. Mancheiner mag das seltsam finden, aber ich brauchte die Distanz und ich weiß, dass Frau Klein das völlig unterstützt hätte.

Sie fehlt mir und ich denke oft an sie. Wie es wohl ihrer Familie geht? Ihre Tochter habe ich neulich in der Stadt gesehen und ich war so perplex (obwohl ich damit hätte rechnen können), dass ich zu lange gebraucht habe, um mich nach ihr umzudrehen und dann war sie schon weg. Ich hätte mir echt selbst eine klatschen können. Ich habe einfach so furchbar langsam reagiert. Wahrscheinlich auch mit Bedenken, wie „will sie mich sehen?“. So ein Quatsch…
Jetzt muss ich flügge werden. Wir haben einen neuen Lehrer, aber das ist was anderes. Er hat andere Stärken, als sie. Das hat auch Vorteile. Nur in der Hinsicht, wo sie einen Graben hinterlässt, werde ich jetzt selbst weiterarbeiten müssen. Und durch diese Umstände des „Müssens“ wird es vermutlich auch funktionieren. Schließlich ist sie jetzt nicht mehr da, um mir weiterzuhelfen.
Ihre Tipps waren einfach super. Wenn man am Anfang der Stunde irgendwie nicht auf der Höhe war hat sie das in 5 Minuten wieder hergestellt und man war von seinen eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten überrascht.

Manchmal denke ich, dass ich vergessen könnte, was sie mir beigebracht hat. Fast 10 Jahre kenne ich sie schon und hatte insgesamt siebeneinhalb Jahre Unterricht bei ihr. Sie hat mich wirklich geprägt und ich hoffe, dass ich viele ihrer Ratschläge, Übungen usw. einfach verinnerlicht habe. Sie war so kreativ, dass sie dauernd neue Ideen hatte, das war auch ein Grund, warum ich so lange bei ihr in der Klasse war.

Ich bin froh, dass ich sie nochmal sehen konnte und ihre Lebensfreude, ihren Optimismus und ihre Hingabe werde ich nie vergessen. Sie war – trotz ihrer Krankheit – so stark! Sie war immer zum Unterrichten da, egal wie schlecht es ihr ging. Niemand hätte sich getraut, Unterricht abzusagen, weil sie das ja auch nie tat.
Jetzt mache ich mich auf den Weg flügge zu werden und die ersten Flugversuche zu starten!

„Jeder geht seinen Weg. Egal wie und wann“ (Frau Klein)

 

 

Nachtigall

Was ich jetzt eigentlich noch tun sollte… und was ich gerade wirklich tue.. dieser Unterschied ist in etwa so groß wie Tag und Nacht.
Ich sollte schon längst schlafen. Oder zumindest endlich meine Bewerbungen fertig machen. Wer weiß, wie weit die Deadlines noch entfernt sind.. das weiß man ja irgendwie nie.
Aber nein. Stattdessen höre ich Respighi (https://www.youtube.com/watch?v=Qk1WtIjF9Jw) und träume vor mich hin.
Melo, meloischer, Melodie.
Ich will dieses Stück spielen! Ich habe schon so lange kein richtiges Stück mehr auf dem Klavier geübt…Manchmal reichts mir wirklich! Aber das interessiert ja keinen. Dann kan ich selbst schauen, wie ich am besten zur nächsten Schaukel finde.
Ich will über meinen eigenen Schatten springen. Diszipliniert sein, egal, ob ich will oder nicht. Mich einfach selbst überlisten, mich selbst zwingen. Warum ist mir das so selten möglich? Bin ich zu schwach? Oder sind meine Ideen und meine Gedanken zu stark? Einfach schlafen und morgen früh aufstehen, fleißig sein und mit der Sonne lächelnd in den Tag hineinstarten. Voller Energie und Lebensfreude. Gute Nacht=)