Einfach mal ganz anders!

Lieber Erik!

Irgendwie war ich – na ja – enttäuscht. Ein bisschen jedenfalls. Weil ich mir von dir einfach eine andere Reaktion bezüglich der drei Fotos gewünscht hätte. Irgendetwas tröstendes. Ich weiß, dass du auf diesem Workshop bist und wahrscheinlich einfach nicht groß Zeit hattest und auch nicht wirklich darüber nachgedacht hast. Und trotzdem.

Mach mir keine Vorwürfe, ich weiß, dass es mein eigener Fehler ist, weil ich komplett vergessen hatte, auf die Zusage-Email zu antworten und dann habe ich mich auch erst jetzt angemeldet. Aber mein Kopf explodiert einfach. Im November und Dezember waren Bewerbungsverfahren, im Januar die große Prüfung, jetzt die Wettbewerbsvorbereitung…

Und auch wenn es nicht nett klingt: Du warst einer der vier Personen, die bezüglich der Apfelackerakademie versagt haben. Ich hätte mich sofort angemeldet, hättest du, meine beiden Schwestern oder meine beste Freundin gesagt, dass sie mitkommen und sich auch direkt anmelden.

Ja, es stimmt. Vier Wochen mit neuen Leuten können echt eine tolle Zeit und Erfahrung sein. ABER: Wieso sollte ich diese wertvolle Lebenszeit nicht nutzen, um meine Beziehung zu einem geliebten Menschen zu intensivieren????? Deshalb hat mein  Bauchgefühl auch nicht mitgezogen und mich auch davon abgehalten, mich direkt anzumelden. Ich wollte einfach nicht schon wieder den Sommer ohne jemanden verbringen, der mir wichtig ist. Ich habe mir so gewünscht, mit meinen beiden Schwestern so etwas zu erleben, aber nein, die eine war zu bequem, sich direkt anzumelden und die andere will im JETZT leben und nichts für den Sommer planen müssen. Meine beste Freundin hätte nicht gedacht, dass es so dringend war mit der Anmeldung und du.. dir war einfach nicht klar, wie gern ich mit dir dorthin gegangen wäre. Und außerdem hast du vor einigen Jahren eh die klügere Entscheidung getroffen und demzufolge wirst du im Sommer nie Probleme haben, irgendwo beschäftigt zu sein. Du hast ja sogar etwas bezahltes für dieses Jahr!

Ich habe Mama gestern am Telefon erzählt, dass es mit der Apfelakademie nicht klappt und musste einfach so losheulen. Ich sehe es einfach nicht mehr ein, alles allein zu machen. Ohne Schwestern. Ohne Freunde.
Ich hoffe du denkst nicht, dass ich dir Vorwürfe mache. Ich weiß, dass du nichts dafür kannst. Deine Reaktion hätte halt tröstender sein können.

Irgendetwas werde ich diesen Sommer schon tun. Und wenn es halt schon wieder nicht die Apfelackerakademie sein wird…

Vielleicht ist es einfach an der Zeit, den Sommer anders zu verbringen. Im Ausland. Oder irgendwie auf Mission. Oder irgendwo zu jobben. Einfach mal ganz anders.

Freude

Wenn einem, so ganz unverhofft, plötzlich die Freude überkommt!
Wahrscheinlich ein recht zufälliger Zusammenfall mehrerer freudiger Kleinigkeiten.
Eine neue Waschmaschine. Die Wohnung geputzt. Gut gearbeitet, auf die erste Probe ausreichend vorbereitet. Ordnung. Freunde in der WG. Eigentlich weiß ich nicht, was es ist, aber ich kann vor Freude hüpfen. Ein Lächeln im Gesicht. Jetzt noch ein Stündchen tröten.
Smileys.
😀
🙂

Geduuuuld

“Geduld, mein Kind, Geduld!” Die sanfte, beruhigende Stimme aus einem Kinderfilm kann ich immer noch genau hören. Ruhig, liebevoll, empathisch.
Es ist so so so schwer, geduldig zu sein. Mit Schülern, mit Freunden, mit Mitmenschen.
Vor allem aber mit Geschwistern.
Eine Hippie, eine “Ernste”, eine Pubertierende und ein Erfinder.
Ach ja. Ich auch noch. Die Älteste (es ist schwer sich selbst in einem Wort zu beschreiben..was mir vermutlich genauso untreffend gelingen würde wie mit den anderen vieren (und die “Ernste” würde mich momentan einfach nur “Schauspielerin” nennen. HAHA!)).
Puuuh.
So lustig es manchmal ist, so angeregt können die Unterhaltungen sein und so verschieden die Ansichten.
Ich frage mich ernsthaft, ob wir nicht eigentlich viel mehr gemeinsam haben müssten. So, dass man von außen betrachtet auch sofort erkennt, dass wir 50% des selben Genmaterials besitzen. A. C. G. T. Hmm.

Liebe und Geduld. Was ist schwerer? Bedingungslose Liebe oder unendliche Geduld? Und dann noch die Kombination aus beidem. Es scheint schier unmöglich zu sein, auch nur einen einzigen Menschen bedingungslos und geduldig zu lieben.

Nun ja.. die “Ernste”: sie legt alles auf die Goldwaage, denkt über jedes noch so kleine Wörtchen nach und zerbricht sich regelmäßig den Kopf.

Die Hippie: sie hüpft von einer Party zur nächsten und bekommt ihr Studium trotzdem auf die Reihe. Na ja, talentiert sind sie alle vier.

Die Pubertierende: so langsam wird sie vernünftig und ich kann mich mit ihr mitlerweile länger als 10 Minuten unterhalten, ohne dass es nur ums Wetter geht.

Der Erfinder: noch sammelt er Steine, Fossilien und Hagelzucker (letzteren hat er unter seinem Bett versteckt und zu seinem Pech hat Mama gestern seine Räuberhöhle entdeckt) und baut große Gebäude mit Kapla-Klötzchen.

Und ich? Ich versuche, endlich erwachsen zu werden und meine Eltern nicht unnötig zu beunruhigen, was mir zumindest manchmal erfolgreich gelingt.