Kopfweh. Hab den ganzen Tag fast nichts gegessen. Ein herzhafter Snack im Flugzeug. Wohl zu wenig. Noch dazu sehr müde. Zwei Flüge hinter mir. Stress beim Umsteigen zweimal. Hat aber alles geklappt. Gott ist mit mir. Jetzt drei Stunden Zugfahren. Reisetag. Schneller Ortswechsel. Pendler. Zehrendes Leben. Zumindest eine Entscheidung hab ich heute geschafft zu treffen (wörtlich: eine Krise gelöst). Ich hab mich im Wirrwarr der deutschen Bibelübersetzungen durchgerungen und bin zu einem Entschluss gekommen. Entschlussfreudigkeit, das ist ja sonst nicht immer so meines. In manchen Dingen. Bevor nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen, entscheide ich nicht, sagt das Fluglotsentestergebnis. Zu rational bin ich. Und zu geduldig. Zu entspannt. Haha. Wie stellen die das nur alles fest, mit ihren Strichmanschkerltests? Das frag ich mich. Weil es stimmt ja.

Wirrer Text, ich weiß. Bin ich auch wirr? Entwurzelt? Ich freue mich auf das schöne Buch! Gemeinsam mit dem von Danielle wird es dann ein perfektes Leseerlebnis. Wäre nur schön, vielleicht nicht immer nur alleine zu lesen? Ich werde mir eine Checkliste machen, dann schaffe ich es, das ganze Buch mal durchzulesen. Gute Idee? Welche Übersetzung aber? Apropo Krisen, Problem und Entscheidungen: Was machen Fluglotsen den ganzen lieben Tag lang? Probleme suchen. Das hab ich sehr amüsant gefunden. Das hat der Führer durch den Arbeitsplatz so formuliert. Eschede Hauptbahnhof. Weiter gehts. Kurze Nacht heute, morgen gehts gleich wieder los.

Du tanzt und chauffierst. Was machst du wohl sonst noch so?

Ich nehme jetzt mein Buch zur Hand.

Mein Buch.

🙂

PS: Warum ist mir gerade heute auf der Straße jemand begegnet, der eine Umfrage zu seiner Bibelarbeit gemacht hat?

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9,81 Meter pro Sekunde

Welche Stadt ist das da unten? Das Lichtermeer ist doch ein bisschen größer als die anderen Flecken alle. Vorhin waren noch ein paar schneebedeckte Berge da, über die sind wir nun schon hinweg. Können wir schon auf der Höhe von Ludan sein? Worguss ist es wohl nicht, so weit östlich können wir nicht fliegen. Außerdem wäre Worguss auf der rechten Seite unseres kleinen Fliegers. Ich sitze links. Am Fenster. Neben mir sitzt ein Herr mit schwarzen Haaren, Schnurrbart und Brille. Ein kariertes Hemd trägt er und eine schwarze Weste. Eine hübsche Uhr ist auch am Arm. Ich trage keine, meine ist kaput. Ich habe schon überlegt, mir eine stinknormale Armbanduhr zu kaufen, eine hübsche, keine binäre. Es muss vielleicht nicht immer binär sein. Wieder breitet sich ein Lichtermeer unter uns aus, diesmal noch größer, so scheint es. Oder ist es einfach nur so zerklüftet? Es scheint eher nach einer Ansammlung von Dörfern auszusehen, aber gibt es so etwas? Die dünne Wolkendecke lässt mich die unzähligen orangenen Lichterstraßen nicht besonders lang ergründen – zu schade. Ich schaue gerne. Ich beobachte gerne. Unser Abflughafen war echt niedlich, herzig. Wirklich süß – alles so klein, eine Miniaturform. Auch das Flugzeug ist sehr lieb. Der Propeller links neben mir wird mir allerdings langsam zu laut. Wenn ich mich leicht nach vorne lehne und aus dem Fenster sehe, dröhnt er ziemlich. Ich könnte mich zurück lehnen, dann ändert sich der Geräuschpegel. Es wird dadurch nicht leiser, lediglich die Art des Lärms ändert sich. Aber ist es Lärm? Ich könnte auch meine Kopfhörer aus dem Rucksack nehmen und sie mir aufsetzen, die dämmen ein bisschen.

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Ach, so ist es schon viel angenehmer! Ich liebe meine Kopfhörer. Ich liebe sie wirklich. Vor 6 Jahren habe ich sie mir gekauft, in New York. Sie sitzen so angenehm!
Was ist nur, wenn der Propeller neben mir ausfällt? Das frage ich mich. Klar, er wird wohl getestet sein, stundenlang darauf geprüft, dass er nie stoppt und immer funktionstüchtig bleibt, dass er zu einer ganz hohen Wahrscheinlichkeit nie den Geist aufgibt. Aber wenn diese Wahrscheinlichkeit ganz hoch ist, so denke ich mir, dann gibt es ja auch eine, wenn auch verschwindend geringe Möglichkeit, dass er mal nicht mehr will. Eine ganz klitzekleine Chance muss ja wohl doch da sein, oder? Und wenn sich einer der beiden Propeller nicht mehr dreht, dann stürzen wir wohl hoffnungslos ab. Gibt es einen Alternativplan? Nein, nur den freien Fall. Mit 9,81 Metern pro Sekunde zum Quadrat Beschleunigung der Schwerkraft würden wir dann abstürzen. Das ist eines der wenigen Dinge aus dem Physikunterricht in der Schule, die ich mir gemerkt habe und wohl auch nie vergessen werde: Wie hoch die Erdbeschleunigung ist. Aber dabei müsste man nun noch bedenken, dass die Luft ein bisschen Geschwindigkeit bremst. Ich könnte jetzt berechnen, mit wieviel Stundenkilometern wir unten am Boden aufprallen würden. Wenn ich nur unsere Höhe wüsste. Wir fliegen durch Wolken. Die Musik ertönt. Ich lehne mich zurück.