46 Tage

46 Tage

Es ist alles anders. Momentan kann ich gar nicht richtig denken. Wie das von einem Moment auf den anderen so anders sein kann! Es fühlt sich wahnsinnig gut an. Das Leben kommt wieder, so als hätte ich Jahre lang geschlafen oder unter der Erde gelebt, erwache ich mit neuer Freude, mit Lebensfreude. Alles macht plötzlich so viel mehr Sinn. Nur bin ich in der Realität noch nicht ganz da, wo ich ihn meinen Gedanken bin. Da hoff ich inständig, dass sich das möglichst bald annähert. Ich bin sehr glücklich, muss ich sagen. Das Leben packe ich jetzt am Schopf, habe ich beschlossen. Nichts kann mich halten. Wer hätte es gedacht, dass ein Entschluss so viel ausmachen kann, so viel auslösen kann, dein ganzes Leben umkrempelt. Noch bin ich nervös und gespannt. Bald hoffentlich erlöst und auf Wolke sieben. Obwohl, das bin ich jetzt fast schon. Warum vergehen die Tage nicht schneller, ich kann nicht einschlafen! Gestern noch war das Aufwachen eine Qual und ich wollte im Bett bleiben, alles war sinnlos. Jetzt kann alles nicht schnell genug gehen und es macht einfach so viel Sinn!

Dabei weiß sie noch von nichts.

Mein Entschluss aber, der steht fest. Lang hat sie nun gewartet, 46 Tage.

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Verwirrung

Ich vermisse dich. Oder vermisse ich ihn? Oder einfach jemanden, der für mich da ist?I don’t get myself!!!!!!!

Hochzeiten stiften nur Verwirrung. Und verstreuen seltsame Emotionen, die meinen Kopf zum Platzen bringen. Die Gedanken sowieso.
Schlafmangel, Emotionen, Gedanken. Ich würde gern einfach für einen Moment nur neben mir stehen und alles von außen betrachten. Ganz neutral und entspannt.

Neeeeeeeiiiiiiin!

Ich rannte die Treppe hinauf und riss meinen Kleiderschrank auf. Irgendwo musste er sein. Mein Brief. Der Entwurf an ihn. Iiiiihn. Wieso hatte ich ihn nie abgeschickt?? Und wo hatte ich ihn versteckt?
Jetzt war es zu spät. Dinge, die ich ihm nie gesagt hatte waren jetzt nicht mehr nötig. Weil er zu verletzt war. Zu verletzt, um mir ins Gesicht zu sehen.
Dabei war es nicht meine Schuld. Aber das würde er nie begreifen. Und mein Brief wäre womöglich nur ein hilfloser Versuch gewesen. Aber immerhin. Ein Versuch. Es schrie förmlich in mir während ich seinen letzten Brief mit tränenüberfluteten Augen nur mühsam lesen konnte. Dabei kannte ich jedes Wort auswendig. Mit dem Brief in den Händen rannte ich die Treppe wieder hinunter. Raus aus der Wohnung, raus ins Freye. Ich musste einfach rennen. Luft rauslassen. Emotionen verarbeiten. Ich kan nicht mehr, dachte ich. Ich rannte bis zu meiner Lieblingsschaukel.
Hier schaukelte ich oft, wenn ich kurz Luft holen wollte.
Hier sprach ich mit Gott. Nicht nur hier. Aber hier hat Gott mich aufgefangen, als ich mich so allein gefühlt habe. Allein auf der Welt. So allein wie noch nie zuvor.
Langsam beruhigte sich mein Puls während ich mich schaukelnd zurück lehnte und meine offenen Haare auf dem Boden schleifen ließ. Meine Tränenflut ließ nach. Der sanfte Wind trocknete das Salz auf meinen Wangen.
Die Bäume sehen von unten so wunderschön aus. Wie oft habe ich das schon gedacht.
Die Welt hätte was, wenn man auf Händen gehen würde.
Der Brief fiel mir aus der Hand und ich sprang von der Schaukel, um ihn aufzuheben. Behutsam faltete ich ihn auseinander und riss ihn in Zeitlupentempo in tausend Stücke. Dann nahm ich die Papierfetzen und steckte sie in meine rechte Hosentasche, lief an das Ufer des nahegelegenen Flusses und ließ die Schnipsel mit dem Wind über das Wasser fliegen. Die dunklen Wolken am Horizont machten der Sonne immer mehr Platz und schließlich ließ ich mich ein bisschen getröstet auf der Erde nieder. Ein paar Enten schwammen an mir vorbei. Wieso machte ich mir eigentlich so viele Gedanken? Wirf deine Sorgen auf den Herrn, kam mir in den Sinn, und wieder füllten sich meine Augen mit Tränen. Manchmal war ich mir selbst zu emotional.
Kopf hoch, Danielle.
Abschied nehmen war nie meine Stärke gewesen. Nie. NIE. NIE.
Die vorbeifahrende sBahn riss mich aus meinen Gedanken. Kauf dir ein Ticket, schien sie zu sagen.
Ein Ticket.
Zu ihm.