46 Tage

46 Tage

Es ist alles anders. Momentan kann ich gar nicht richtig denken. Wie das von einem Moment auf den anderen so anders sein kann! Es fühlt sich wahnsinnig gut an. Das Leben kommt wieder, so als hätte ich Jahre lang geschlafen oder unter der Erde gelebt, erwache ich mit neuer Freude, mit Lebensfreude. Alles macht plötzlich so viel mehr Sinn. Nur bin ich in der Realität noch nicht ganz da, wo ich ihn meinen Gedanken bin. Da hoff ich inständig, dass sich das möglichst bald annähert. Ich bin sehr glücklich, muss ich sagen. Das Leben packe ich jetzt am Schopf, habe ich beschlossen. Nichts kann mich halten. Wer hätte es gedacht, dass ein Entschluss so viel ausmachen kann, so viel auslösen kann, dein ganzes Leben umkrempelt. Noch bin ich nervös und gespannt. Bald hoffentlich erlöst und auf Wolke sieben. Obwohl, das bin ich jetzt fast schon. Warum vergehen die Tage nicht schneller, ich kann nicht einschlafen! Gestern noch war das Aufwachen eine Qual und ich wollte im Bett bleiben, alles war sinnlos. Jetzt kann alles nicht schnell genug gehen und es macht einfach so viel Sinn!

Dabei weiß sie noch von nichts.

Mein Entschluss aber, der steht fest. Lang hat sie nun gewartet, 46 Tage.

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Ich wollt

Ich wollt mir das Bett machen, aber habs noch nicht.
Ich wollt das Zimmer saugen, aber habs noch nicht.
Ich wollt meine Möbel neu positionieren und den Tisch zerlegen, aber habs noch nicht.
Ich wollt die Abschwasch erledigen, aber habs noch nicht.
Ich wollt deinen Computer schon fertig haben, aber habs noch nicht.
Ich wollt die neu gemachten Fotos aussortieren, aber habs noch nicht.
Ich wollt spontan wo hinreisen, aber bins nicht.
Ich wollt meine Eltern anrufen, aber habs noch nicht.
Ich wollt den Einkauf erledigen, aber habs noch nicht.
Ich wollt mich in den Park setzen und mein Buch lesen, aber habs nicht.
Ich wollt dich mit einem neuen Computer spontan besuchen.

Ich wünscht, ich hätt mehr Energie.

Sich ordnen

Das Zimmer saugen, Staub wischen. Das Bett frisch überziehen, den Koffer ausräumen, Wäsche waschen. Einkaufen: den Kühlschrank füllen. Die Boxen aufstellen. Während des Lesens der vielen Post Musik hören. Ein ausgereiftes Aktienmodell anwenden: das Depot umschichten (ich hab ja im Grunde kein Kapital). Das Fenster weit geöffnet: Gute, frische, kühle, erquickende Luft atmen; in der Ferne den Herbst riechen. Duschen. Schlafen im eigenen Bett. Keine Termine: Üben von Grund auf. Atemübungen, Tonübungen, Staccato-, Vibrato- und Fingerübungen. Sich ordnen, sich erden.