Lebensmotivationskurve

Ich bin total fertig. Müde, k. o. Ich könnt mich hinlegen. Mit dem Gesicht in den Boden.
Das Telefonat war furchtbar. Es hat mich kurzzeitig irgendwie selbst zerstört. Die Aktienkurse der „Erik-Lebensmotivations-AG“ ist kurzzeitig eingebrochen auf einen Tiefststand gesunken. Ein bisschen hat sie sich gerade erholt, nachdem ich mit dir schreiben kann.

Eine Woche

Wie kurz eine Woche ist, bis zum Ostermontag, wie lang diese Zeit aber auch ist. Welche Gedanken sich da alle auftun, welche Gefühle sich da ändern, welche Analysen sich da darbieten und dann wieder verschwinden. Ein auf und ein ab. Wo pendelt es sich ein? Der Kopf schwirrt. Surreal.

Der Besuch

Danke, dass du hier warst!

Es hat mich echt gefreut, dich zu sehen. Und besonders auch, dass du zu mir gekommen bist! Und dann war ich auch echt überrascht, dass du so gut gelaunt warst, so fröhlich. Wie kann man dann anders, als auch fröhlich sein? Es war eine schöne Zeit! Ich danke dir dafür.

Innerlich schwache Beine

Das hast du also mit deinem Papa besprochen. Und jetzt bist du mutig und gewappnet. Eigentlich gut. Und meine Eltern würden wahrscheinlich das Gleiche meinen. Ich hab darüber nicht mit ihnen gesprochen.

Jetzt werd ich ganz nervös – und labil.

Du zählst das immer so ab, die Zeit, in Jahren, Monaten, Wochen, Tagen, Stunden und Minuten… das mach ich nie. Das macht mich ganz schwubbelig. Abrechnungstag. Wie wenn man das Prüfungsergebnis zurück bekommt. Welche Note hast du? Hast du genug getan? Bist du gut genug? Wie war deine Leistung? Was hast du voran gebracht in all dieser Zeit? Was ist das Ergebnis? Immerhin sind es jetzt schon 1,5 Jahre. Da muss schon was passiert sein in der Zeit. Was sagt die Statistik?

Das wird also eine harte Woche. Eine wackelige. Unverblümte Kritik von der Chefin, und dann auch noch endgültiger Danielle-Talk. Und das mehr oder minder gleichzeitig – ich muss mich zusammenreißen, dass ich nicht zusammenbreche. Innerlich. Am Ende steh ich dann alleine da, ganz einsam und verlassen, auf schwachen Beinen. Zeitlos in einem leeren Raum. Ohne dich. So als wärst du nie da gewesen. Als seist du Geschichte, gestorben. Mir wird grad ganz heiß. Es steigt mir den Hals hoch. Aber wenigstens hab ich schon ein bisschen Lebenserfahrung darin. Ich lass es nicht gänzlich an mich heran. Es kratzt.

Ich hoff sehr, es geht dir besser dabei.

Gib dich zufrieden und sei stille

Gib dich zufrieden und sei stille
In dem Gotte deines Lebens;
In ihm ruht aller Freuden Fülle,
Ohn ihn mühst du dich vergebens.
Er ist dein Quell und deine Sonne,
Scheint täglich hell zu deiner Wonne.
Gib dich zufrieden.

Er ist voll Lichtes, Trosts und Gnaden,
Ungefärbtes, treuen Herzens;
Wo Er steht, tut dir keinen Schaden
Auch die Pein des größten Schmerzens.
Kreuz, Angst und Not kann Er bald wenden:
Ja, auch den Tod hat Er in Händen.
Gib dich zufrieden.

Paul Gerhardt, 1607-1676

 

 

Ich wollt

Ich wollt mir das Bett machen, aber habs noch nicht.
Ich wollt das Zimmer saugen, aber habs noch nicht.
Ich wollt meine Möbel neu positionieren und den Tisch zerlegen, aber habs noch nicht.
Ich wollt die Abschwasch erledigen, aber habs noch nicht.
Ich wollt deinen Computer schon fertig haben, aber habs noch nicht.
Ich wollt die neu gemachten Fotos aussortieren, aber habs noch nicht.
Ich wollt spontan wo hinreisen, aber bins nicht.
Ich wollt meine Eltern anrufen, aber habs noch nicht.
Ich wollt den Einkauf erledigen, aber habs noch nicht.
Ich wollt mich in den Park setzen und mein Buch lesen, aber habs nicht.
Ich wollt dich mit einem neuen Computer spontan besuchen.

Ich wünscht, ich hätt mehr Energie.